40 Kamerateams, 200 Drehorte, 5 Jahre
Produktionszeit. Der Film "Unsere Erde"
faszinierte mich allein schon aufgrund seiner
Produktionsbedingungen. Wenn eine solch
umfangreiche Naturdokumentation auf der großen
Leinwand gezeigt wird, muss man als
Dokumentarfilmer einfach im Kinosaal sitzen. 1000
Stunden Rohmaterial wurde für den Film gedreht.
Die eindrucksvollsten 99 Minuten kann man im
fertigen Produkt bestaunen. Und es lohnt sich -
die spektakulären und ästhetisch wertvollen
Bilder von den Tieren sind gigantisch. Besonders
einprägsam sind die Luftaufnahmen. Zum Beispiel:
ein Elefant hat den Anschluss zur Herde verloren
und kämpft sich von Durst geplagt allein durch
die südafrikanische Wüste. Die Kamera zeigt ihn
leinwandfüllend aus der Vogelpespektive und fährt
dann zurück, sodass seine Einsamkeit bildlich
übersetzt wird. Zum Schluss der Einstellung
verliert der Betrachter den Elefanten aus dem
Auge weil die gigantische Weite der Wüste das
Bild dominiert. Ich kenne keinen Dokumentarfilm
der so stark die bildlichen Mittel einsetzt um
die Situationen in der sich Tiere befinden durch
die Wahrnehmung des Filmes zu transportieren.
Immer wieder finden sich beeindruckende Bilder -
samtweiches Wasser, das gebrochen wird von einem
Eisbären, der die Wasseroberfläche durchdringt.
Einmalige Bilder eines Löwenrudel, das einen
Elefanten jagt. Die Jagd eines Weissen Haies in
Superslowmotion. Nahezu jede Einstellung hat eine
enorme Bildwirkung.
Nur eines an dem Film hat mich von Anfang bis
Ende gestört: der Kommentar. Beinahe jede Sequenz
wird erklärt und beschrieben. Zum Beispiel: In
einer absolut sauberen Kamerafahrt sehen wir eine
ganze Weile einen kleinen Elefanten der hinter
seiner Mutter herläuft. Er strauchelt, rückt
wieder auf usw... Der Kommentar dazu erklärt,
dass der kleine Elefant Probleme hat seiner
Mutter zu folgen. Das sieht der
Zuschauer. Zwar gibt der Sprecher stellenweise
sehr interessante Zusatzinformationen (wie zB.
dass das Buckelwalkalb täglich 600 Liter Milch
trinkt, während seine Mutter kaum Nahrung findet)
jedoch ist die Sprecherüberlegung größtenteils
nur eine Doppelung des Gezeigten. Hier wirkte der
Sprecher störend - da ich die Informationen
lieber selber aus dem Filmbild lesen wollte. Mich
hinderte der Sprecher größtenteils daran mit dem
Film "Unsere Erde" selbst auf Entdeckungsreise
unseres blauen Planeten zu gehen. Und damit
verhinderte er eine Bewusstseinserweiterung in
Bezug auf unseren Planeten. Der Kommentar schiebt
sich zwischen das was gezeigt wird und dem
Zuschauer. Hier hätten die Filmemacher m.E. sich
stärker zurück nehmen sollen. Desweiteren
vermenschlicht der Kommentar vereinzelt die Tiere
zu stark. Ein hungriger Eisbär jagt zum Beispiel
laut Kommentar ab einem gewissen Punkt "nur noch
zum Trotz" ein Walruss.
Nichtsdestotrotz ist der Film ein Meilenstein
innerhalb des dokumentarischen Genres. Noch nie
wurde die Erde so beeindruckend als
ganzheitliches Phänomen in einem Film beleuchtet.
Noch nie wurden Zuschauer von derartig
ausdrucksstarken und umfangreichen Naturaufnahmen
überwältigt. Unsere Erde ist ein Film
der einen neuen Standard im Bereich des
dokumentarischen Filmes definiert und an dem
zukünftige Werke gemessen werden.