Der Einfluß Moskaus und Pekings auf ANGOLA &
MOSAMBIK
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Abgabetermin:
31.7.2000
1. Klassischer Marxismus
Die Industrialisierung, die ihre Anfänge 1870 in
Großbritanien hatte, war Auslöser tiefgreifender
gesellschaftlicher Veränderungen. Mit der
Abschaffung des Feudalsystems ging sowohl die
Abhängigkeit als auch der Schutz der ländlichen
Bevölkerung verloren. Als Ausweg wanderten immer
mehr Menschen in die Städte. Unter dieser
Urbanisierung entwickelten sich neue Arbeits- und
Lebensformen. Schnell war alles dem Diktat der
Rationalisierung und der Massenproduktion
untergeordnet. Die Gesellschaft gruppierte sich
neu: es gab die besitzenden Kapitalisten und das
wirtschaftlich abhängige Proletariat. Zwischen
diesen beiden Klassen entwickelten sich große
soziale Probleme, die viele Theoretiker zu lösen
versuchten. Einer von ihnen hieß Karl Heinrich
Marx. Er interpretierte die Menschheitsgeschichte
als Geschichte von Klassenkämpfen. Nach der
Sklaverei und der Feudalzeit stehen sich
theoretisch im Kapitalismus das Proletariat und
die Bourgeosie gegenüber. Das mittellose und
politisch machtlose Proletariat wird von der
besitzenden Klasse ausgenutzt. Mit dem
Voranschreiten der Industrialisierung erstarkt
die arbeitende Gesellschaft zunehemend und
vereint sich in einer Partei um gegen die
verschärften Widersprüche zwischen den beiden
Klassen zu kämpfen. In einem revolutionären
Prozess reißt das Proletariat schließlich die
Macht an sich und enteignet die besitzende Klasse
mit dem Ziel, den hochentwickelten Kapitalismus
abzuschaffen, da dieser die Arbeiter als
Markteinheiten behandelt. Dadurch kommt es zu der
Phase der Diktatur des Proletariats. Bestehende
Herrschaftsstrukturen werden abgebaut, indem alle
Produktionseinheiten und Besitztümer
vergesellschaftet werden. In dieser
Übergangsphase sollen allen Menschen gleiche
Rechte eingestanden werden. Die klaffenden
Kluften zwischen Stadt- und Landbevölkerung
werden eingeebnet, sowie auch der Unterschied
zwischen geistiger und körperlicher Arbeit. Marx
war sich wohl bewusst, dass diese Phase lange
andauern würde und dass sie von Ungerechtigkeiten
begleitet werden wird. Ist jedoch das Endziel,
die klassenlose Gesellschaft, erreicht, so leben
die Menschen harmonisch miteinander und haben
sich an die gesellschaftlichen Grundregeln
gewöhnt. Dadurch werden staatliche Organisationen
überflüssig und sterben allmählich ab.
Marx forderte diese Gesellschaftsumformation auf
globaler Ebene. Alle Staaten sollten den
kommunistischen Vorbildern nacheifern um so zu
dem absoluten Weltfrieden zu gelangen.
2. Der russisch-chinesische Konflikt
Sowohl in Russland als auch in China kam es zur
Revolution und Machtübernahme
kommunistisch-orientierter Befreiungsbewegungen.
In der Februarrevolution 1917 stürzten die
Bolschewiken unter Lenin Zar Nikolaus II und
übernahmen die Macht. Lenin übertrug die von Marx
aufgestellte Gesellschaftsumformation auf
Russland, indem er den Kommunismus auch in einem
frühkapitalistischen Staat für erreichbar hielt.
Nach einem mehrjährigen Bürgerkrieg folgten
Reformen in der Wirtschaftspolitik, mit denen die
Bevölkerung zu Zwangsarbeit verpflichtet wurde.
Produzierte Güter wurden nicht der Bevölkerung
zur Verfügung gestellt, sondern in
Maschinenimporte investiert, welche die
industrielle Basis für die Weiterentwicklung des
Landes bilden sollten. Somit erfolgte eine Abkehr
vom freiheitlichen Sozialismus hin zu einem
totalitären Zwangsstaat.
In China versuchten die Funktionäre ein noch
rückständigeres Land in kürzester Zeit zum
Kommunismus zu verhelfen, indem die Bauern in
Volkskommunen dafür bluten sollten. Chinesische
Politiker interpretierten die klassischen
Schriften Marx’ und Engels anders und suchten
nach einem chinesischen Weg zum Kommunismus in
Anlehnung an die russische Entwicklung. Dabei
machten sie sich die Improvisationen und
Experimente der Russen zunutze. Anders als in
Russland, wo das Proletariat als Träger der
Revolution galt, stellte in China die
Bauernschaft die größte Stütze der Kommunisten
dar. Dies beruhte auf den unterschiedlichen
historischen Bedingungen. Dass das Proletariat
nicht zwingend Träger der Revolution sein muss,
hatte große Wirkung auf das landwirtschaftliche
Afrika hinterlassen. Sowohl Lenin als auch der
einflussreichste chinesische Kommunist Mao
Tse-tung schürten reaktionäre Gedanken bei der
Bevölkerungsschicht, die dem kommunistischen Weg
folgen würden.
Lenin versprach den Arbeitern die Herrschaft.
Tatsächlich bestand ein großer Teil der KPdSU aus
Arbeitern, die Führungsgremien jedoch wurden
stets mit gebildeten Berufsfunktionären besetzt.
Das chinesische Proletariat hat sich schon
frühzeitig von der KPCh abgewandt. 1926 galt sie
noch als „führende Kraft der revolutionären
Bewegung“, doch bald darauf war die KPCh von der
gegnerischen, nicht-kommunistischen KMT aus der
Stadt verdrängt. Mao suchte unter diesen
Umständen seine Unterstützung auf dem Lande, da
die Bauern revolutionär gestimmt waren. Er
ermunterte sie zu mehrfachen Aufständen gegen
ihre Grundbesitzer bzw. Kriegsherren und
propagierte Gewalttaten. Mao war überzeugt, dass
eine „kurzfristige Periode des Terrors notwendig“
sei um bestehende Verhältnisse umzuwerfen.
Dennoch unterscheidet sich der Leninismus
ideologisch betrachtet nicht vom Maoismus, da
beide stets dasselbe Ziel vor Augen hatten.
Allerdings kristallisierten ihre Vorgehensweisen
nationale Besonderheiten heraus. Sowohl Lenin,
als auch Mao erlangten die Macht, da sie sich der
Unterstützung unzufriedener und verzweifelter
Bevölkerungsteile sicherten. Hätte Lenin in Asien
seine Revolution durchführen wollen, so hätte er
sich auch auf die Bauern gestützt, da er
kolonialen Ländern eine solchen Bauernrevolution
empfahl. Für den Fall China riet er den
Kommunisten sich eine gewisse Zeit mit dem
demokratischen Bürgertum zu verbünden um
gemeinsam gegen imperialistische Mächte und
Feudalherren anzugehen. Er warnte jedoch vor
einer Verschmelzung mit dem Bürgertum, da nach
der demokratischen eine sozialistische Revolution
geschehen solle. Ähnlich verlief die Geschichte
Russlands. In der bürgerlich-demokratischen
Revolution zu Beginn des Jahres 1917 besiegten
gemeinsam die Arbeiter und ein Teil der
Bourgeoisie die Armeen des Zaren. Im Oktober
besiegte dann das Proletariat die Bourgeoisie.
Mao griff dieses Verfahren auf, definierte jedoch
das Verhältnis zur Bourgeoisie neu. Er teilte
das ürgertum
in Gutsbesitzer, Mittelbourgeoisie und
Kleinbourgeoisie. Erstere hielt er für
revolutionsungeeignet, letztere schloss er in den
revolutionären Ablauf mit ein. Das
Mittelbürgertum spaltet sich und wird nach Mao
entweder zu Revolutionsgegnern oder
-befürwortern. Ein Teil des Bürgertums sollte
demnach an der chinesischen Revolution teilhaben.
Sinn dieser Koalition war es, einen privaten
Kapitalimus aufzubauen, da dieser die Wirtschaft
vorantrieben sollte. Mao betonte jedoch, dass
dies nur eine vorrübergehende Phase sein werde.
Während man in Russland die Intellektuellen und
das Bürgertum konsequent liquidierte, versuchte
man in China sie in einer Gedankenreform oder
auch „Gehirnwäsche“ auf den sozialistischen Weg
zu bringen. Da Russland zum Zeitpunkt der
Revolution weiter entwickelt war als China,
konnten die Russen eher auf die wirtschaftliche
Unterstützung der Intellektuellen, indenen auch
ein höheres politisches Gefahrenpotential steckt,
verzichten. In China, wo das Denken seit
Konfuzius traditionell behandelt wird, versuchte
man mit Hilfe der Intellektuellen nach der
sozialistischen Umerziehung eine sicherere
materielle Voraussetzung für das Land zu
schaffen.
Chinesische Parteigegner wurden nicht wie in den
russischen Mordjahren 1936-1938 hingerichtet,
sondern „nur“ von der Partei ausgestoßen oder
inhaftiert. Für Mao gab es keine zwingenden
Gründe einen solch brutalen Weg, wie Stalin ihn
einschlug, zu betreten, da sich zur Zeit der
Machtergreifung die KPCh in der Bevölkerung
bereits relativ fest etabliert hatte und der Sieg
1949 vollkommen war. In Russland folgte der
Machtergreifung ein schwerer Bürgerkrieg. Lenin
hatte zwar durchaus klare Vorstellungen, wie er
die Macht an sich reißen kann, jedoch traten
Probleme bei der Machtumsetzung auf. Erst Stalin
vermochte mit seinem Fünf-Jahres-Plan dem land
einen prägenden Stil aufzuzwingen.
Durch beschriebene Abweichungen vom russischen
Sozialismus, entwickelte sich zwischen China und
Russland eine nervöse und gespannte Freundschaft.
China versuchte aus seiner Schülerrolle
auszubrechen, indem es seinen Weg als den
richtigen, den der am schnellsten zum Kommunismus
führt, betitelte. Besonders laut waren Chinas
Lobeshymnen auf die 1958 eingerichteten
Volkskommunen. China forderte die Ostblockstaaten
auf, dem chinesischen Vorbild zu folgen, da die
Volkskommunen fortschrittlicher seien, als die in
der UdSSR eingeführten Kolchose. Die UdSSR
versuchte hingegen, seine Vormachtstellung
innerhalb sozialistischer Staaten aufrecht zu
erhalten. Somit entwickelte sich zwischen China
und der UdSSR ein Streit um Vormachtstellung und
Entwicklungsvorsprung. Besonders interessant, für
die Untersuchung des Einflusses Pekings und
Moskaus auf Angola und Mosambik ist, dass China
für sich beansprucht, ein besseres politisches
und wirtschaftliches Modell für
Entwicklungsländer zu sein, als das russische:
„Der klassische Typ der Revolution in
imperialistischen Ländern ist die russische
Oktoberrevolution. Der klassische Typ in
kolonialen...Ländern ist die chinesische
Revolution.“
Der Konkurrenzkampf zwischen den beiden Staaten
ging sogar so weit, dass Russland sich weigerte
China in Zeiten großer Hungersnot zu
unterstützen. Die Hilferufe Chinas wurden nicht
erhört, denn eine wirtschaftliche Schwächung
Chinas gab der UdSSR einen gewissen
Entwicklungsvorsprung. Und so mussten in der Zeit
von 1959-1961 Millionen Menschen in China
verhungern. Das bereits mehr als angeknackste
sozialistische Bündnis zwischen China und der
Sowjetunion zerbrach endgültig.
Mosambik
3.
Mosambik
3.1.
Der Weg zur Unabhängigkeit
Am 25.6. 1975 um null Uhr konnte Samora Machel
die totale Unabhängigkeit Mosambiks verkünden.
Dreizehn Jahre hatte die Befreiungsbewegung, die
aus drei Unabhängigkeitsbewegungen fusionierte,
gebraucht um sich gegen die portugiesische
Kolonialarmee durchzusetzen. Die Frelimo, die
sich aus drei nationalistischen Bewegungen
zusammensetzte, stellte ein Bündnis verschiedener
Klassen dar: sie vereinigte die Arbeiter, Bauern
und das Kleinbürgertum. Die
Interessensunterschiede der Klassen sollten sich
später als problematisch herausstellen, jedoch im
Kampf gegen die Kolonialunterdrückung, vereinte
sie der Wille zur Souveränität.
Bereits kurz nach Gründung der Bewegung, sandte
man aufgrund mangelnder nationaler Erfahrung
militärische Ausbilder ins Ausland um von fremden
militärischen Kenntnissen und Erfahrungen zu
profitieren. Der bewaffnete Kampf gegen die
Kolonialmacht forderte den politischen und
wirtschaftlichen Aufbau der Bewegung, da in
Nordmosambik bereits frühe Erfolge verzeichnet
wurden. Die Besetzung von Provinzen zog die
Schaffung von Verwaltungen nach sich. Dabei
entstehende Konflikte und deren Lösung waren
entscheidend für den Charakter der Politik, wie
sie nach der Unabhängigkeit aussehen sollte.
Da die portugiesische Kolonialarmee gezielte
Vergeltungsanschläge auf die Bevölkerung ausübte,
sah sich die Frelimo verpflichtet, die wehrlosen
Bauern zu schützen. Dafür mussten die verstreut
lebenden Gemeinschaften erst einmal organisiert
werden. Es wurden Gemeinschaftshütten
eingerichtet, die sich später als Vorstufe zu
landwirtschatflich organisierten
Gemeinschafts-Villages herausstellten. Schon in
frühen Jahren wurden in diesen Dörfern
Gemeinschaftsfelder eingerichtet um Guerilleros
mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Einige lokale,
konservative Vorsitzende lehnten diese
genossenschaftliche Produktionsweise aufgrund von
Eigeninteressen ab und blockierten derartig
radikale Verfahren.
Gegen Ende der 60er kristallisierten sich zwei
Linien innerhalb der Frelimo heraus. Die erste
verstand die angestrebte Unabhängigkeit als einen
Prozess des personellen Wechsels innerhalb
bestehender staatlicher Strukturen, mit all ihren
Erscheinungen der Ausbeutung und Unterdrückung.
Die zweite Linie setzte auf eine radikale
Transformierung der Gesellschaft.
Hauptprotagonisten dieser Gruppe waren radikale,
kleinbürgerliche Intellektuelle mit städtischem
Hintergrund. Auf dem 2. Frelimo Kongress 1968
setzte sich die zweite Linie durch. Daraufhin
blockierten die konservativen Lokalvorsitze ihre
privaten Armeen. Das ermöglichte den Portugiesen
intensivere Angriffe. Ihre Zuspitzung fanden die
Attentate in einer Briefbombe, die gemeinsam von
der nationalen Opposition mit den Portugiesen
organisiert wurde und den Präsidenten Frelimos
Eduardo Mondlane 1969 ermordete. Samora Machel
wurde 1970 sein Nachfolger, was der Frelimo zu
einer verstärkten politischen Organisation
verhalf. Mit seiner neuen politischen Kultur,
Anfang der 70er, konnte die Verwaltung nördlicher
Provinzen gestärkt und in den ländlichen Gebieten
ausgebaut werden. In der Stadt beschränkte sich
die Kontrolle weiterhin auf
Untergrundorganisationen, sodass die Hauptstützen
der Frelimo die ländliche Bevölkerung waren.
China begrüßte diese Art der Revolution, da es
nun seinen Sozialismus tatsächlich als den
besseren Weg für Länder in der 3. Welt darstellen
konnte.
Aufgrund des politischen Umsturzes in Portugal im
April 1974 war das Ende der Kolonialzeit in
absehbarer Nähe. Der Befreiungskampf in Mosambik
gilt für die Wandlung in Portugal als
„wesentlicher auslösender Faktor“
Mit der Unabhängigkeit galt es für die Frelimo
politische Präsenz in Zentral- und Südmosambik
einzubringen. Präsident Machel forderte die
Einrichtung von Parteikomitees in Unternehmen um
die Arbieter mit der neuen Politik vertraut zu
machen. Die Entstehung dieser Komitees oder
Dynamisierungsgruppen stellte einen relativ
unkontrollierten Prozess dar. In Städten
übernahmen die eloquenteren Kleinbürger die
politische Verantwortung. Ihre Aufgaben waren
unter anderem, das politische Geschehen zu
erläutern, Wirtschaftssabotage aufzuhalten und
aufgegebene Betriebe zu reorganisiseren. Diese
Einrichtunegn sollten jedoch keine dauerhaften
Institutionen darstellen, sondern dienten
vielmehr als eine Übergangslösung . Die Partei
versuchte außerdem die Bürger durch Frauen- (OMM)
und Jugendbewegungen (OJM) und Gewerkschaften
(OTM) zu organisiseren. Die Bevölkerung reagierte
auf diese Kampagnen mit Zurückhaltung. Wirkliche
Erfolge konnten nur in wenigen industriellen
Betrieben und der Parteispitze selbst verzeichnet
werden. In weiten Teilen des Landes hatte die
Partei keine Möglichkeiten sich fest zu
artikulieren, da Verbindungen zwischen
Zentralinstanzen zur breiten Masse als völlig
unzureichend galt.
3.2.
Bekenntnis zum Marxismus-Leninismus
Marxistische Züge tauchten erstmals 1969
innerhalb der Frelimo auf, davor war sie
lediglich eine nationalisitische und
antikoloniale Bewegung.
Aus der Natur der Kolonialzeit, die Reichen durch
die Masse zu bereichern, entwickelte Frelimo in
Anlehnung an die Ostblockstaaten die Opposition:
den Sozialismus. Auf dem 3. Parteikongress 1977
beschloss die Frelimo die Umwandlung in eine
Avantgardepartei, die den Vorhut der Arbeiter und
Landbevölkerung darstellen soll. Die Partei
sollte von nun an im Kampf gegen die Ausbeutung
der Menschen durch die Menschen Arbeiter, Bauern,
Soldaten und revolutionäre Intellektuelle
vereinigen. Die Partei verfolgte die Idee des
Einparteien-Staates, in dem die Frelimo über alle
Mosambikaner herrscht und die Masse vereint
hinter deren Zielen steht. Die Grundlage dafür
war der wissenschaftliche Sozialismus. „Die
Erfahrungen aus dem revolutionären Kampf des
Volkes von Mosambik und der Marxismus-Leninismus
seien die ideologische und theoretische Grundlage
für das Handeln und die Entwicklung der Partei,
der demokratische Zentralismus sei ihr
Organisations- und Arbeitsprinzip.“
Als wichtiger Schritt zur Einübung in die neue
Politik galten die Wahlen zur Volksversammlung im
Jahr 1977. Auf Lokalebene wurden Kandidaten
vorgeschlagen, die dann in öffentlichen
Versammlungen ausdiskutiert wurden. Diese Wahlen
dienten dem Verständnis der Bevölkerung bezüglich
politischer Organisation. Jahrhundertelang
bestand in dem Kolonialstaat die Devise für das
Überleben aus Gehorsam und Mundhalten.
3.3.
Parteiorganisation und Funktion
Das höchste Organ der Partei war der Parteitag,
der alle fünf Jahre zusammentreten sollte.
Dazwischen entschied das Zentralkomitee über
politische Geschehnisse. Weitere einflussreiche
Institutionen waren das Politbüro und das
Parteisekretariat. Die Parteiführung innerhalb
zeichnet sich durch ein „außerordentlich hohes
Maß an personeller Kontinuität und an
Geschlossenheit“ aus. Hauptcharaktergeber dabei
war Präsident Samora Machel, der als „Hero of
Africa“ gefeiert wurde.
Mit der Unabhängigkeit und der anschließenden
Verstaatlichung von Unternehemen erhielten die
Parteifunktionäre entscheidenden Einfluss auf die
nationale Kapitalakkumulation und die
Wirtschaftsentwicklung. Die Funktionäre bestanden
aus dem revolutionären Kleinbürgertum oder dem
einheimischen Kleinbürgertum, die bereits im
kolonialen Staatsapparat mitwirkten. Innerhalb
dieser Reihen entwickelten sich zwei verschiedene
Entwicklungstheorien. Die erste Linie setzte auf
starke Mobilisierung der Volksklasse und der
kollektiven Produktionsform. Dieser Ansatz hatte
seine Wurzeln in der Kollektivierung während des
Befreiungskampfes. Die zweite Entwicklungstheorie
hatte als Basis eine starke Modernisierung und
Industrialisierung. Diese Tendenz hatte ihre
Ursprünge in dem Modernisierungsboom der
ausgehenden Kolonialwirtschaft. Das
Zentralkomitee kritisierte den zweiten
Entwicklungsweg, da hierbei Klassenunterschiede
nicht abgebaut, sondern genährt werden.
Eine der zentralen Anfangsaufgaben war es, den
rassistichen Kolonialstaatsapparat zu zerstören
und einen neuen Typ zu organisiseren, der den
Interessen der breiten Masse dienen soll. Beides
stellte sich als problematisch heraus. Zu wenig
hochrangige Kader waren zugänglich, somit nahmen
diese Positionen weniger qualifizierte „mittlere“
Kader ein. Dies führte wiederum dazu, dass untere
Positionen von unqualifizierten Personen besetzt
werden mussten, die in ihren Aufgaben aufgrund
keinerlei bürokratischen Erfahrungen maßlos
überfordert waren. Aus diesem Grund ging die
Frelimo 1980 in die politische und
organisatorische Offensive und versuchte die
Staatsorgane gezielt zu koordinieren.
3.4. Durchsetzungsmethoden
Gegen Schwarzhändler und Wirtschaftskriminelle
wurden öffentliche Prügelstrafen oder gar
Todesstrafen erlassen. Desweiteren wurden
städtische Arbeitslose zu Zwangsarbeit auf dem
Land gezwungen. Derartig autoritäre Methoden
halfen jedoch nicht der Partei ihre Ziele zu
verwirklichen. Der Schwarzmarkt breitete sich
stattdessen aus, und ihre Betreiber wurden zu
Frelimogegnern. Die harte Gangart der Partei
führte lediglich zu einer allgemeinen
Unzufriedenheit innerhalb der Bevölkerung.
Um dennoch Gefolgschaft aufzubauen wurden Camps
eingerichtet, in denen unmoralische oder
politisch unmotivierte Menschen entsprechend der
Parteilinie umerzogen werden sollten. Viele
Schicksale sind in diesen Lagern noch ungeklärt.
3.5.
Bedeutung der Arbeiter und Bauern
Während der Unabhängigkeitskämpfe stellte die
Bauernschaft die größte Stütze Frelimos dar. Mit
dem Sieg über die Portugiesen sollten die
Arbeiter eine ebenso große Rolle innerhalb des
weiteren gesellschaftlichen Prozesses erhalten.
Frelimo maß der arbeitenden Bevölkerungschicht
eine programmatisch-zentrale Rolle in der
Weiterentwicklung Mosambiks bei, obwohl diese zur
Unabhängigkeit nur schwach entwickelt war. Ein
großer Teil der Arbeiter war in Südafrika und
Zimbabwe tätig. Die Industrialisierung setzte in
Mosambik selbst erst in den Sechzigern ein und
stellt somit ein neues Phänomen dar. Erst mit der
Unabhängigkeit wurden schwarze Arbeiter in die
Politik eingeflochten. Mit Hilfe der
Dynamisierungsgruppen sollte dieser Prozess
beschleunigt werden. Sie stellten das
Vertreterorgan der Arbeiter dar. Auf diesem Wege
beteiligten sich die Arbeiter an der
Produktionsplanung und Kontrolle. Der damilige
Präsident Machel verdeutlichte die Bedeutung
dieser Arbeiter-Produktionsräte im politischen
Prozess: „In der gegenwärtigen historischen Phase
sind die Interessen der mosambikanischen
Arbeiterklasse mit den Interessen des ganzen
Volkes identifiziert...In ihrer politischen Linie
, ihren Statuten und ihrem Programm synthetisiert
unsere Partei die Interessen des
Arbeiter-und-Bauern-Büdnisses und legt die
Strategie für ihre Realisierung fest...“
In nördlichen Gebieten stellte die Bauernschaft
eine größere Stütze dar als im Süden. Die
männlichen Bauern des Südens arbeiteten zum
Großteil außerhalb des Landes. National
betrachtet stützte sich Mosambik deutlich stärker
auf die Bauern als Angola, was sich auch in der
Parteimitgliederanzahl widerspiegelte. Dies
basierte auf der Organisation der Bauern in
Gemeinschaftsdörfern, in denen 1982 immerhin 19 %
der Bevölkerung lebten. In einigen Fällen wurde
dieses Gemeinschaftsleben „mit äußerst
autoritären Methoden“ durchgesetzt, was zu einer
Entfremdung der Bauern zur Partei führte. Frelimo
Funktionäre waren davon überzeugt, dass das
System aufgrund strenger Disziplin funktionieren
würde.
„In ..the policy of trying to force socialism
onto people without appealing to them by offering
incentieves was disastrous.“ Mit aufgezwungener
Disziplin glaubte die Partei daran, die
Revolution vorantreiben zu können. „In fact what
happend was not a revolution, but just
independence followed by disaster.“
3.6.
Wirtschaftpolitik
Die Verstaatlichung von Betrieben waren
Reaktionen auf die systematische
Wirtschaftssabotagen der portugiesischen Siedler
und deren Betriebsaufgaben durch anschließende
landesweite Massenfluchten. Durch staatliche
Interventionen konnte 1977 der wirtschaftliche
Kollaps zumindest gestoppt werden. Es folgte eine
überhastete staatlich initiierte Modernisierung
für den „großen Sprung nach vorn“. Dabei sollte
die Landwirtschaft als Basis und die Industrie
als dynamischer und entscheidender Faktor
fungieren.
Die Landwirtschaft galt für Frelimofunktionäre
als „Hauptträger der Akkumulation für unsere
Entwicklung.“ Ihre Aufgabe war es Rohstoffe für
die Industrialisierung zu liefern,
Nahrungsmittellieferant zu sein und Überschüsse
zu produzieren um diese exportieren zu können.
Als vorherrschender Sektor in der Agrarwirtschaft
galten die Staatsfarmen, die ganz dem
sowjetischen Stil entsprachen. Neunzig Prozent
der Investitionen fielen anfangs auf die
sowjetische Hoffnung innerhalb der
Planwirtschaft. Frelimo war der Ansicht, dass
riesige Investitionen in modern organisierten und
strukturierten Farmen die Lösung aller
wirtschaftlichen Probleme bedeuteten. Während man
den Genossenschaften zumindest einen Bruchteil
von Unterstützung bot, ignorierte die Partei die
Familienbetriebe völlig. Die besten Kader wurden
den überdimensionalen Staatsfarmen zugeteilt.
Zusätzlich holte die Frelimo Kader aus
sozialistischen Ländern um diese Farmen zu
leiten. Jedoch mangelte es permanent an „kleinen“
Arbeitern, da die Versorgung der Arbeiter nicht
gewährleistet wurde und verdienter Lohn aufgrund
allgegenwärtiger Versorgungsengpässe faktisch
wertlos war. Von daher zogen die Bauern es vor
sich wieder auf Subsitenzwirtschaft zu
beschränken. Der Arbeitskräftemangel sollte durch
eine Mechanisierungswelle ausgeglichen werden. In
den folgenden 4 Jahren nach dem 3. Kongress
wurden für 50 Mio britische Pfund Maschinen,
vorrangig Traktoren, importiert. Jedoch konnte
die moderne Technik aufgrund mangelnder
technischer Qualifiaktion weder gewartet noch
repariert werden. Die erforderten traditionellen
Nahrungsmittel hätten einen geringeren
technischen Aufwand ín Form von Hacken u.ä.
benötigt, wie er von Skandinavien vorgeschlagen
und angeboten wurde.
In die kleineren Bauern-Gemeinschaftdörfern,
wurde hingegen zu wenig investiert. „Am Anfang
wurden ihnen Traktoren und andere Dinge
versprochen. Aber die Versprechungen wurden nicht
ausgeführt. Es gab Mißerfolge, und dann gingen
einige Leute auf ihre privaten Farmen zurück.“
Die Bauern, einst größte Stütze der Frelimo,
hatten ernste Zweifel an der neuen
Landwirtschaftspolitik. Selbst
Frelimo-Befürworter zeigten für Planwirtschaft
keinerlei Verständnis. Die angegangenen Reformen
brachten Probleme, die noch viele Jahre andauern
mussten. Das Versagen auf dem
landwirtschaftlichen Gebiet gilt als
repräsentativ für die gesamte Politik Frelimos:
Es ist eindeutig, dass hier zu schnell und zu
kraftvoll Veränderungen erzielt werden wollten.
Die Krise in der Wirtschaftsplanung beruhte auf
Unerfahrenheit der Verantwortlichen und Arbeiter,
Kadermangel und auf „Präferenzen der „Aspiranten
auf das Bürgertum“, wie sie die Frelimo nennt“,
also jenen konservativen Teil der Regierung, der
der kommunistischen Klassenideologie fernstand.
Dieser Teil der Politiker war gegenüber den
Bauern und den fortschrittlichen
Frelimo-Mitgliedern recht durchsetzungsfähig,
wodurch die kapitalistischen Züge der Regierung
die sozialistischen verdrängte. Trotz der
offensichtlichen kapitalistischen Politik in
Großprojekten, bekannte sich die Regierung
weiterhin zu dem Sozialismus.
3.7. Stimmung im Volk
Während der Kolonialzeit gewöhnten sich die
Arbeiter daran, dass aufgrund von Zwang
gearbeitet wird. Sie wurden mit Schlägen und
Gefängnisstrafen dazu gezwungen, der
Kolonialmacht zu dienen. Nach der Befreiung
Mosambiks, wurde die Arbeit als Urlaubszeit
angesehen. Ein Kleinbürger brachte die Stimmung
auf den Punkt: „The government used to cheat us.
We used to work, but got paid very little. If you
complained that the money was too little you
would be put in prison. There you can work for 6
months and not get paid money or anything. Now
Frelimo has taken the country. Now we are
resting. The one who is giving time to rest is
Frelimo“.
3.8. Industrie - der Sprung nach vorn ?
Mit der Unabhängigkeit übernahm die Frelimo eine
Kollapsindustrie, aufgrund des nationalen
Siedlerexodus. Es waren weder Qualifikation noch
Mittel zugänglich um einen
Industrialisierungsprozeß zu gewährleisten. Um
diesen planen zu können, fehlten statistische
Grundlagen, Kenntnisse und ausführende Kader. Die
1978 gegründete Planungskommission arbeite daher
mit sozialistischen Ländern zusammen, denen
wiederum die nationale Erfahrung fehlte.
1981 stellte Machel dennoch seinen 10-Jahres-Plan
auf, der den großen Sprung in Richtung
Sozialismus ermöglichen sollte. Jedoch forderte
er damit unrealistische Wachstumsraten.
Als 1982 Südafrika seine
Destabilisierungskampagnen intensivierte,
zusätzliche Naturkatastrophen einbrachen, wodurch
die südliche Subsistenzproduktion zusammenbrach,
folgten landesweite Hungerskatstrophen. In den
Jahren 1983-84 starben 100 000 Menschen am
Hungertod.
3.9. Südafrikanische Rebellion
Renamo, die von Südafrika ausgehaltenen
Saboteure, übte gezielte Anschläge gegen wehrlose
Bevölkerungsschichten um die Grundlage des
Sozialismus zu zerstören. Ihr Ziel war es
Mosambiks wirtschaftliche Abhängigkeit von
Südafrika zu stärken. Diese Abhängigkeit ist ein
koloniales Erbe Mosambiks. Aus dem Süden des
Landes wurden vertraglich Minenarbeiter nach
Südafrika geschickt. Dreh- und Angelpunkt der
Kolonialwirtschaft waren Zwangsarbeit und -anbau.
Der Entzug der Arbeitskräfte in Nachbarländern
und die Landenteignung führten zu einer
Verkrüppelung der mosambikischen Wirtschaft. Auch
wenn sich die Kolonialpolitik seit den Sechzigern
umorientierte, so war Mosambik zur Zeit der
Unabhängigkeit immer noch eine
Dienstleistungswirtschaft für Südafrika.
Die Renamo, die anfangs von Rhodesien unterstützt
wurde, bekämpfte seit Ende der Sechziger die
mosambikische Befreiungsbewegung Frelimo. Seit
der Unabhängigkeit Zimbabwes übernahm Südafrika
die Ruder im Bezug auf die Renamo. Die
Frelimoregierung versuchte immer eine friedliche
Lösung mit der Renamo zu vereinbaren, doch selbst
unterzeichnete Verträge, wie der von März 1984
entpuppten sich als falsche Hoffnung. Die
Rebellen übten gezielte Attentate auf
Regierungsmitglieder, Bevölkerung, wichtige
wirtschaftliche Basen und Hilfsgüter aus. „(I)n
short, anything of any use to anyone - have all
been systematically attacked and destroyed.“
*1
„No country can develop peacefully and
constructively while it is driven by terrorism,
and terrorism of a particulary brutal and cruel
kind“. Unterstützt wurden derartige
Destabilisierungskampagnen nicht nur von
Südafrika, sondern auch von vielen westlichen
Ländern. Die Beziehung Mosambiks zu den USA
eskalierte als die Frelimo 4 CIA Agenten vorwarf,
sie haben sich an Renamoattentaten beteiligt.
Daraufhin verwieß Frelimo diese Agenten aus dem
Land, was die USA veranlasste, weitere
Renamoangriffe zu dulden und unterstützen.
Anfangs schlossen sich den Rebellen unzufriedene
Mosambiker an, jedoch nach und nach wurden neue
Mitglieder zwangsrekrutiert. Mitglieder, die
„nicht perfekt den südafrikanischen Interessen
dienten“ wurden ermordet . Seinen Tiefpunkt hatte
die Destabilisierungkampagne im Oktober 1986, als
ein Flugzeug mit Präsident Machel an Bord in
Südafrika fehlgeleitet wurde und das Leben des
Präsidenten kostete. Die Unfallursache gilt zwar
noch immer als ungeklärt, jedoch ist man sich im
breitem Umfeld innerhalb der Frelimo sicher, dass
dies ein politisches Attentat gewesen ist.
3.10.
Abkehr vom Sozialismus
Durch die verschärfte Entwicklungskrise Mosambiks
wurde im April 1983 auf dem 4. Kongress ein
politischer Wechsel beschlossen. Von nun an
sollte - anstelle von Staatsfarmen - die
Familien- und Privatlandwirtschaft stärker
gefördert werden. Größenwahnsinnige
Entwicklungspläne machten Platz für Kleinprojekte
der Industrie. Außerdem wurde eine
Dezentralisierung und weitere Reformen auf
staatlicher Ebene beschlossen.
Sechs Jahre nachdem auf den Marxismus geschworen
wurde, kamen die Frelimofunktionäre 1983 zu der
Erkenntnis, dass ihr eingeschlagener Weg nicht
funktioniert und dass nicht nur allein die
Bedingungen an dem Versagen Schuld waren. Somit
wandte man sich offiziell auf dem Kongress vom
Marxismus wieder ab. Das Bekenntnis zum
Marxismus-Leninismus bedeutete nie das
Akzeptieren einer ideologischen oder gar
militärischen Vorherrschaft der Sowjetunion.
Stattdessen betonte die Partei immer ihren
nationalen Charakter. Präsident Machel weigerte
sich sowjetische Militärbasen einrichten zu
lassen, da die Verfassung von 1978 jegliche
fremdländische Militärmacht in Mosambik
ausschloss. Die Sowjetunion durfte keine Ausnahme
bilden. „The socialist countries are natural
economic and political allies of the third world,
but they are not natural military allies.“
Machel wollte sich von nun an wieder auf die
ursprüngliche Ziele der Frelimo konzentrieren:
„We know very well what we do not want: the
exploitation, the humaliations. But as to what we
want and how to get it, our ideas are necessity
still vague. They are born of practise, corrected
by practice.“ Die Partei verlor während all der
Jahre nicht die Fähigkeit sich selbst zu
kritisieren und zu wandeln. Auch eine so
fundamentale Wandlung bedeutet nicht, dass
Frelimo sich selbst nicht mehr treu geblieben
ist. Die Partei ist eine Organisation mit tiefen
Wurzeln im politischen Geschehen, die aus ihren
Fehlern gelernt hat. „Frelimo made some grave
mistakes which cannot be excused for, but its
task..was never an easy one.“
3.11.
Auslandsbeziehungen
Außenwirtschaftlich wollte sich Mosambik durch
enge Zusammenarbeit mit sozialistischen Ländern
und Integration in den RGW über Wasser halten.
Auf diesem Weg konnte Mosambik jedoch keine
Erfolge verzeichnen. Die Mitgliedschaft in dem
RGW-Staatenbund wurde 1981 aufgrund von Einwirken
der Sowjetunion abgelehnt, wodurch Mosambik
weiterhin von Südafrika und anderen
kapitalistischen Staaten abhängig blieb. Die
ehemalige DDR war der einzigste Ostblock-Staat,
der Mosambik den vollen Eintritt gewährleisten
wollte.
Die veränderte Auslandsbeziehung Mosambiks hatte
1982 ihren Anfang. Im April ging Mosambik ein
Militärbündnis mit Portugal ein und knüpfte
Kontakte mit Frankreich und Großbritannien. Ein
weiterer symbolischer Schritt weg von der rein
„sozialistischen Solidarität“ stellte die
Nahrungsmittellieferung der BRD im August 1982
dar. Ebenfalls im August desselben Jahres konnte
Mosambik mit China seine erste
Handelsvereinbarung treffen. Zu Zeiten der
Unabhängigkeitskämpfe stellte China einen
wichtigen militärischen und ideologischen Partner
dar. In Chinas Bemühen, dem Russischen
Sozialismus Paroli zu bieten, sah Peking in der
Bauernrevolution unter Frelimo eine Möglichkeit,
das chinesische Modell als besseren Weg für die
3. Welt zu etablieren. „Die chinesische
Militärhilfe ließ nach 1975/76 stark nach, als
sich die Beziehung zwischen Mosambik und China im
Gefolge der chinesischen Unterstützung für die
Anti-MPLA-Gruppen in Angola und für das Angola
feindlich gesonne Mobutu- Regime Zaires
abkühlten.“
Die Verständigung mit der westlichen Welt musste
aufgrund katastrophaler Zustände und der hohen
Auslandsverschuldungen, die 1983 bei 1,3 Mrd$ lag
eingeleitet werden. Um den außenpolitischen Druck
zu mindern, reiste Machel Ende 1983 nach
Westeuropa und bat um Unterstützung. Im September
1984 wurde der Beitritt Mosambiks in die IWF und
die Weltbank genehmigt, wodurch ein wesentlich
westlicher Schritt begangen wurde. „Das Ziel
westlicher Länder ist es, Mosambik auf die
kapitalistische Tugendpfade zu führen“ Besonders
aggresiv gingen dabei die USA, GB und die BRD
vor, welche enge Partner Südarfikas sind und den
Sozialismus die Schuld an der landesweiten Not in
die Schuhe schob. Schnelle Hilfe kam dagegen aus
Ländern wie Schweden und Italien, die weniger
enge Beziehungen zu Südafrika hatten. Auch nach
dem Schritt nach Westen unterstützten die
sozialistischen Staaten Mosambik uneingeschränkt
weiter. Moskau respektierte Mosambiks Drang nach
Beziehungsausweitung. Yuri Sepeler (Russischer
Auslandsvertreter in Maputo) betonte, dass der
Kreml Mosambik als völlig souveränen Staat
betrachtet und „nobodys puppet“ ist. Die
Sowjetunion stellte daher Mosambiks „Westöffnung“
keine Steine in den Weg. Streng genommen war
Mosambik nie vollkommen westverschlossen, da es
auch nach der Unabhängigkeit Handelsbeziehungen
zu Südafrika und westlichen Industrieländern
hatte.
Westliche Unterstützung konzentrierte sich auf
Privatunternehmer, wodurch das Privatkapital in
Mosambik aufgewertet und somit eine
sozialistische Entwicklung erschwert wurde.
Jedoch schwor man von nun an nicht auf den rein
kapitalistischen Weg. „Our country has defined
the construction of socialism. Only a socialist
society guarantees to the people as a whole equal
rights and opportunities..“ Allerdings wurde mit
den Entwicklungen im südlichen Afrika wieder eine
Diskussion ausgelöst, ob das Marxistische Modell
überhaupt auf 3.Welt Länder übertragbar sei.
Frelimos Armee, die zu schwach ausgerüstet war um
erfolgreich gegen die Renamo angehen zu können,
wurde primär durch die Sowjetunion unterstützt.
In einem Versuch 1982 das Militär neu zu
organisieren, wandte sich Frelimo erneut an
sozialistische Länder um Militärausbilder
anzufordern. Die Sowjetunion konnte (oder wollte)
jedoch den Erwartungen Mosambiks nicht ganz
gerecht werden. Die teueren Waffen konnte sich
Maputo nicht leisten, zudem waren die Waffen bis
auf Ausnahmen der MIG-21s, MI-24 und SAM 7s „out
of date“. Die Ostblock-Militärausbilder erwiesen
sich aufgrund nationaler Unkenntnis gegen die
Renamo als uneffektiv. Moskau verlangsamte zudem
seine Unterstützung für Mosambik, wobei ein Grund
dafür die Scheu vor der sicheren direkten
Konfrontation mit der Renamo war.
Trotz dass die Renamo keine politische
Alternative zur Frelimo darstellte, wurde die
Rebellion von westlichen Ländern, wie Portugal
und der BRD (CDU & CSU, namentlich F. J.
Strauß) unterstützt. Amerikanische
Förderungsgemeinschaften wie z.B. die Heritage
Foundation machten es zu ihrem Ziel die Renamo zu
einem selben Status zu verhelfen, wie es die
Unita in Angola innehatte. Die israelische
Regierung unterstütze die Rebellen auf
militärischer Ebene, indem sie Kämpfer
ausbildete. Der CSU-Leiter für Auswärtige
Beziehungen maß der Renamo sogar eine „bedeutende
Aufgabe“ bei und wünschte den Terroristen „viel
Glück und Erfolg“. Und das, obwohl immer
deutlicher wurde , dass „Südafrikas
uneingestandes Ziel in Mosambik...die Zerstörung
der mosambikanischen Gesellschaft“ ist.
3.12.
Zusammenfassung
Während der Unabhängigkeitskämpfe gegen die
Portugiesische Kolonialarmee stellte die
chinesische Revolution das Leitbild der Frelimo
dar. Chinas Bauernrevolution inspirierte und
unterstützte die reaktionären Gedanken in
Mosambik. Die Behauptung, dass die chinesische
Revolution für 3. Welt Länder die richtige ist,
galt am Beispiel Mosambiks zu beweisen. In dem
Kampf gegen die portugiesische Knechtschaft
vereinte die Frelimo alle revolutionären Kräfte
im Land. Nach der Unabhängigkeit vollzog die neue
Regierung einen deutlichen Wanderung zum
russischen Vorbild, wodurch die chinesische
Bruderschaft abbrach. Die auftauchende Frage nach
der gesellschaftlichen Entwicklung wurde versucht
mit mit einer revolutionären Umgestaltung,
basierend auf den Marxistisch-Leninistischen
Gedanken, zu lösen.Bis 1984 war die Sowjetunion
wichtigster Partner. Wirtschaftspolitik und
Militäreinheiten lehnten sich an das russische
Vorbild an. Die Revolution wurde teilweise mit
sehr autoritären Methoden durchgeführt, sodass
sich weite Teile in der Bevölkerung, inklusive
der Bauernschaft von der neuen Politik abwandten.
Zusätzlich hemmte die gezielte Störpolitik
Südafrikas und der westlichen Welt den Aufbau des
Sozialismus. Aufgrund des Scheiterns des
eingeschlagenen Weges, wurde in den Achzigern ein
politischer Wechsel innerhalb der Partei
beschlossen. Von nun an hatten die westlichen
Anschaungen in Mosambik mehr Platz das Land in
die kapitalistische Wirtschaft und Gesellschaft
zu leiten.
Angola
4.
Angola
4.1.
Die Unabhängigkeitsbewegungen
Im Gegensatz zu den mosambikischen
Befreiungskämpfen, die unter Führung
einer
Bewegung stattfanden, kämpften in Angola drei
Organisationen gegen die portugiesische
Kolonialmacht. Unter diesen
Unabhängigkeitsbewegungen herrschten ethnische,
regionale, ideologische und politische
Unterschiede, welche sich nach dem Sieg über die
Portugiesen in einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg
äußerten. Jedoch während der 14-jährigen
Befreiungskämpfe verband die MPLA, UPNA und die
UNITA das Ziel sich aus der kolonialen
Knechtschaft zu lösen.
Die MPLA, die 1956 aus mehreren kleinen
Organisationen gegründet wurde, stellte vorerst
eine städtische Bewegung dar, verbreitete sich
jedoch in den Sechzigern auch zunehmend auf das
Land, mit dem Ziel eine vereinte Front aller
antiimerpialistischen Kräfte zu werden. Das
Endziel der MPLA hieß nicht nur die
Unabhängigkeit Angolas. Ihre Ziele waren einen
demokratischen Sozialismus aufzubauen, an dem das
Volk vollkommen teilhaben kann und Besitzer aller
wirtschaftlichen Reichtümer ist. Der
antiimperialistische Charakter tauchte bereits in
den Gründungsdokumenten der Organisation auf.
Während im Kapitalismus das Proletariat
unterdrückt wird, so wird im Kolonialismus das
fremde Volk ausgebeutet. Die MPLA bezeichnete die
Unterdrückung als ein Wesensmerkmal der
kapitalisitschen Produktionsweise. Die Vollendung
der Unabhängigkeit ist nur erreicht, sobald
jegliche Form von Unterdrückung von Menschen über
Menschen beseitigt ist. Diese Überzeugung war
bereits vor der Unabhängigkeit in Teilen der
MPLA-Führung tief verwurzelt, auch wenn man sich
in der ersten Verfassung noch nicht offiziell zum
Sozialismus bekannte. Um sich dem Ziel des
Sozialismus auf der Basis der Theorien Marx’ und
Lenins bekennen zu können „mußten harte
ideologische Auseinandersetzungen ausgetragen
werden.“
Beeinflusst und massiv unterstützt wurde die MPLA
von der Sowjetunion, Kuba und weiteren
Ostblockstaaten.
Die UPNA, die später zur UPA und FNLA wurde,
zeigte sich als eine nichtkommunistische
Alternative. Sie setzte aber aufgrund politischer
Schwäche alles auf ihre Militäreinheiten. Die
UPNA erfreute sich an Unterstützung der Bakongo,
aus Zaire und seit 1974 auch aus der
Volksrepublik China.
Den Verlängerungsarm der Kolonialisten stellte
die UNITA dar. Sie schwankte zwischen Revolution
und Kolonialbewegung und galt als Marionette des
Imperialismus. Als Führer galt Jonas Savimbi, „he
bacame the anti-Communist hope for expulsion of
soviet, and restoration of Western influence in
Angola.“ Die UNITA wurde massiv von Südafrika und
der USA unterstützt. Außerdem wurden Kommandöre
in China ausgebildet, unter der Bedingung in der
Weltöffentlichkeit die maoistischen
Errungenschaften aufzuwerten und die Fehler der
Russen hochzustilisieren. Besonders die
Ovimbundu, die 1/3 der Gesamtbevölkerung
ausmachten, schlossen sich der UNITA an.
4.2. Übergang zur Volksrepublik
Mit dem Umsturz in Portugal, folgte eine
abschnittsweise Entkolonialisierung Angolas,
unter der Voraussetzung, dass sich die UNITA, die
MPLA und die FNLA auf einen gemeinsamen
politischen Nenner einigten. „Am 15. Januar
hatten sich die drei angolanischen
Freiheitsbewegungen unter der Aufsicht der
Portugiesen auf einen friedlichen Wettstreit
durch Wahlen geeignet. Minister Kissingers (USA
Außenminister - Anm. d. A.) Reaktion darauf war:
Legt mir einen Operationsvorschlag mit mehreren
Varianten vor. Colby (CIA-Direktor..) wies den
Abteilungschef für Afrika an, in einem halben Tag
ein solches Entscheidungspapier auszuarbeiten. 2
Tage danach flog die erste Maschine mit Waffen
nach Angola.“
Nach der Unabhängigkeit Angolas sollte das Land
zur Schaubühne für die Kämpfe zwischen den
Weltmächten werden. The civil war „escalated into
an international flashpoint involving South
Africa, the USA, the Sowjietunion, Cuba, and
Zaire, as each of the rival parties turned to
foreign governments for military support.“ Jede
der Parteien wurde von Ländern unterstützt, die
sich untereinander ideologisch fremd oder
feindlich gestimmt waren. Die angolanischen
Parteien übernahmen aufgrund von Hoffnung
militärischer Unterstützung - zumindest
ansatzweise die Anschauungen ihres „Sponsors“.
Dabei entstand ein zähes Kräftemessen,
ausgetragen auf dem Rücken eines frischgebackenen
unabhängigen Dritten Welt Landes. „A host of
external powers..continues to be involved in the
protracted competition for control over a country
whose natural ressorces could provide the basis
for a prosperous future were it ever to enjoy a
period of social peace.“
Der bestehende Konflikt zwischen den
Organisationen eskalierte schnell zum offenen
Krieg. Mit der Unabhängigkeit verschärften sich
die inneren Widersprüche. Die Klassenkämpfe und
die Frage nach dem gesellschaftlichen
Entwicklungsweg trat in den Vordergrund. Die
politische Bewegung MPLA, der sich ein Großteil
der Bevölkerung anschloss, musste sich verstärkt
gegen die Angriffe der beiden anderen Bewegungen
zur Wehr setzten. Bis August 1975 kontrollierte
die MPLA basierend auf Bevölkerungsunterstützung
12 von 16 Provinzen. Aufgrund dieser Rückschläge
sahen sich unter anderem Südafrika, die USA,
Zaire, Israel, Senegal und die BRD veranlasst,
die MPLA Gegner stärker zu unterstützen. Je näher
die offizielle Unabhängigkeit rückte, um so mehr
Truppen und Waffen wurden in das Land gebracht.
Die USA stellte Waffen und Militärausbilder für
die beiden MPLA Gegner. „In dieser schweren Lage,
wandte sich die MPLA an alle jene Staaten um
Hilfe, von denen sie bereits im
Unabhängigkeitskampf unterstützt wurde. Diesem
Hilfeersuchen kamen neben einer Reihe
afrikanischer Staaten vor allem auch die UdSSR,
Kuba und andere Staaten der sozialistischen
Gemeinschaft nach, die der MPLA rasch und
entschlossen materiell und militärisch zur Seite
standen.“ Die MPLA konnte die Hauptstadt Luanda
halten und die Volksrepublik Angola ausrufen.
Während die Frelimo in Mosambik sich auf weite
populäre Unterstützung im Lande berufen konnte,
hatte die MPLA jedoch eine relativ enge Basis in
der Bevölkerung, die sich um städtische
Intellektuelle konzentrierte.
4.3.
MPLA an der Macht
Agostino Neto, Präsident der MPLA, machte es zu
seinem Ziel „einen Staat der sozialen
Gerechtigkeit aufzubauen.“ Dringende Aufgabe der
neuen Regierung war der wirtschaftliche
Wiederaufbau und Aufbau eines neuen
Staatsapparates. Auch innerhalb der MPLA wuchsen
mit der Machtübernahme die Spannungen und
Konflikte. Während der Befreiungskämpfe
organisierten sich viele MPLA-Vertretungen
autonom und waren von Zentralinstanzen
abgeschattet. Nito Alves z.B. sah sich mit seiner
Nordfront-gruppe vernachlässigt und forderte mehr
Machtteilnahme. Das Problem der
pro-imperialistischen und rassistischen
Intervention galt als Hauptaufgabe für die
Weiterentwicklung der angolanischen Revolution.
Aufgrund dieser Auseinandersetzungen veranlassten
die obersten MPLA-Spitzen eine Spaltung der
Bewegung und eine Verschärfung ihrer politischen
Linie.
4.4.
Bekenntnis zum Marxismus
„Either there is capitalism or there is socialism
- there is no other way.“ (A.Neto)
Auf der 3. Tagung der MPLA im Jahr 1976 beschloss
die Partei das Ziel für den gesellschaftlichen
Entwicklungsweg: „Zusammengefaßt beschloß diese
Tagung (23-29.Oktober 1976) die Grundorientierung
...der Organisation, in dem sie den
wissenschaftlichen Sozialismus als das zu
erreichende Ziel definierte.“ Die ehemalige
Bewegung mit Platz für politische Anschaung
beschloss daraufhin im Dezember 1977 ihre
Umformierung zu einer Avantgardepartei. Sie
bekannte sich auf dem Kongress offiziell zum
Marxismus-Leninismus und schwor auf den
demokratischen Zentralismus. Man entwarf
detaillierte Wirtschafts- und
Gesellschaftordnungen. Die Partei definierte sich
als Proletariatspartei, die die Ziele der
Arbeiter verfolgt. „MPLA is the party of the
working class, uniting workers, peasents,
revolutionary intellectuals and other workers
dedicated to the proletariat in a social
alliance.“ Präsident Neto betonte dabei, dass er
eine angolanische Regierung aufbauen wird, die
sich an den Erfahrungen sozialistischer Länder
lediglich anlehnt: „We are going to build
socialism in Angola. How we do this is an
exclusively Angolan affair.“ Die marxistischen
Theorien sollten mit den eigenen revolutionären
Erfahrungen und den Bedingungen einer ehemaligen
Kolonie gemischt werden. Eine politische Schule
war dafür verantwortlich, zukünftige
Parteimitglieder auf diesen Weg zu führen.
Zusätzlich wurden politische und militärische
Kader in der Sowjetunion ausgebildet. „Eines der
kompliziertesten Probleme..war die schöpferische
Anwendung der allgemeinen Prinzipien und
Erfahrungen des Aufbaus und der Tätigkeit
marxistsch-leninistischer Parteien auf die
konkreten subjektiven und objektiven Bedingungen
des Landes und einzelner Provinzen.“
Ähnlich wie in Mosambik wurde auch in Angola
versucht, die Bevölkerung auf den Weg, auf den
die Partei nun schwor, zu leiten. Es wurden
Frauen-, Lehrer- und Gewerkschaftsbünde
organisiert um die Volksmasse
zusammenzuschließen. Präsident Neto bemühte sich
frühzeitig die marxistische Ideologie durch
Semniare, politische Radioprogramme, Diskussionen
in Fabriken und gesellschaftliche Ereignisse zu
verbreiten. Ziel war es die führende Rolle der
Arbeiterklasse im Staat und in der Gesellschaft
durchzusetzen.
„Die MPLA vermochte in der Tat im nationalen
Befreiungskampf das Volk zsammenzuschließen, es
zum militärischen Widerstand gegen den
Kolonialismus und Imperialismus zu mobilisieren.
Nach der Eroberung der Unabhängigkeit reagierte
die MPLA auf die Zuspitzung des innenpolitischen
Kampfes in Angola mit einer Radikalisierung ihrer
politischen Linie; sie machte sich von
konterrevolutionären Elementen und
Fraktionsmachern frei.“
Mit dem Übergang von einer antikolonialen
Bewegung zu einer marxistischen Arbeiterpartei
erfolgte dann am 4.2.1978 eine innere
Berichtigung - die „Retificacao“. Aufgabe dessen
war es „die Irrtümer zu korrigieren, die
Arbeitsmethoden zu verbressern, die Organisation
von den schädlichen Elementen zu reinigen und die
Mitglieder für die Ziele der Partei
zusammenzuschließen.“ Mangelnde Disziplin und
Anwachsen der Mitgliederzahl waren hinderlich für
angesetzte Ziele, da Geschlossenheit als
Grundvoraussetzung für die Entwicklung galt. Alte
Parteimitglieder wurden selektiv übernommen und
vereinigten sich mit ausgewählten Neuaufnahmen.
Die Mitgliederzahl wurde auf 1/3 gekürzt und
betrug nur noch 31 000. Dies bot eine größere
Garantie auf Parteieinheit und ideologische
Festigkeit. Die Aussonderung der Mitglieder fand
in öffentlichen Versammlungen statt, die für alle
Mitglieder offen standen.
Die Machtbefugnisse des Präsidenten und oberen
Funktionären wurden in den kommenden Jahren
systematisch ausgebaut. So erhielt José Eduardo
dos Santos, ein in der Sowjetunion ausgebildeter
Ölingeneur und Netos Nachfolger, mit Auswirkungen
der Wirtschaftskrise und des permanenten
Destabilisierungsdrucks neben politischen
Sondermachten 1983 auch das Oberkommando über
Militäreinheiten. Alle wichtigen Institutionen
wurden von MPLA Mitglieder belegt, sodass der
Staat der Partei untergeordnet war. Die
Angolanische Revolution trat somit in die Phase
der demokratischen revolutionären Diktatur der
neuen Arbeiterpartei, mit dem Ziel den
angolanischen Sozialismus aufzubauen. Die Partei
suchte dabei nach einem Weg zum Sozialismus ohne
die Phase des Kapitalismus durchschreiten zu
müssen, da dies als Phase galt, die sie sich
nicht leisten konnten. Als schlechtes Beispiel
sahen die Funktionäre die anarchistischen
Zustände in Zambia und Zaire. Doch die
Vorstellung der sozialistisch orientierten
Entwicklung wurde durch Funktionäre, die nach
Machtausdehnung und Materiellen strebten
beeinträchtigt. Viele Fachkräfte standen der
sozialistischen Linie der Partei fern, was zu
Leistungsverweigerungen und „erschreckende(n)
Arbeitsergebnisse(n)“ führte. Haupthindernis für
den Sozialismus waren jedoch die von den
Kolonialisten verursachte Unterentwicklung und
der permanente Krieg, bei dem neokolonialistische
Interessen gezielt versuchten die Entwicklung des
Landes und der Politik aufzuhalten.
4.5.
Wirtschaftspolitik
Mit der Unabhängigkeit übernahm die MPLA ein
wirtschaftliches Chaos. Ähnlich wie in Mosambik
wurde die Wirtschaft in die Hände des Staates
gelegt. Die Schaffung von Staatsbetrieben um den
dramatischen Verfall der Wirtschaft zu stoppen
„war jedoch anfänglich eine improvisierte
Reaktion auf die Massenflucht der portugiesischen
Siedler, die Tausende von Agrarbetrieben,
Fabriken und Geschäfte aufgaben. Ohne staatliche
Intervention konnten diese Betriebe nicht in Gang
gehalten werden.“ Aus dieser Notlage entstand das
kollektive Management unter Aufsicht eines
Regierungsdeligierten. „Die neuen
Unternehmensführer hatten vielfach weder die
Qualifikation noch die Erfahrung um ihre Aufgabe
erfolgreich zu bewältigen“, was zu ständigen
Konflikten in den Betrieben führte. Auch mit den
Kooperanten aus sozialistischen Ländern ließ sich
der Mangel an Fachleuten nicht schließen. Zwar
half die Sowjetunion in mehreren Projekten, wie
der Erschaffung der neuen Staatsfarmen oder
Gewinnung von Energie durch Wasserkraft, jedoch
blieb die massive Unterstützung, die Angola nötig
gehabt hätte um sich aus seiner Not zu retten
aus.
Auf der Parteikonferenz 1974 sah man moderne
technische Landwirtschaft als Lösung für
Versorgunsprobleme. Wie in Mosambik, sollte auch
in Angola die Landwirtschaft den Grundstein legen
und die Industrie für die Entwicklung
verantwortlich sein.
1977 konnte ein leichter wirtschaftlicher
Aufschwung verzeichnet werden. Der Ölexport
finanzierte den Nahrungsmittel-, Industriegüter-
und Maschineninmport. Jedoch als 1981 die
Ölpreise weltweit fielen, kam es zu einer „Zäsur
in der Wirtschaftsentwicklung Angolas“.
Zusätzlich ermunterte Ronald Reagan nach seinem
Amtsantritt Südafrika zu einer erneuten
Eskalation gegen Angola. Die Männer mussten
wieder in den Krieg und die Staatsausgaben
konzentrierten sich auf das Miltär. Präsident
Santos sprach in seiner Neujahrsansprache über
die zentrale Rolle des Krieges in der
wirtschaftlichen Entwicklung: „Wir müssen die
Wirtschaft organisieren um die Kriegsführung zu
unterstützen, und wir müssen Krieg führen um die
Wirtschaft zu verteitigen.“
4.6.
Landwirtschaft
Die staatlich organisierten Genossenschaften
stießen bei den Bauern anfangs auf Resonanz, da
ihnen materielle Unterstützung versprochen wurde,
die jedoch meist ausblieb. Die MPLA Partei maß
den Bauern eine geringere Rolle im revolutionären
Prozess zu, als die Frelimo in Mosambik: „Durch
seine Lebens- und Arbeitsbedingungen und durch
die davon abgeleiteten Konzeptionen ist die
werktätige Bauernschaft nicht in der Lage, die
führende Rolle im Kampf zu übernhemen. Das ist
so, weil der werktätige Bauer...einen Keim des
Kapitalisten in sich trägt, denn er besitzt eine
kleine Parzelle Land und Produktionsmittel und
strebt danach, sie jedesmal mehr zu vergrößern.
Aber die Transformation der Gesellschaft, sei sie
kapitalistisch, sei sie sozialistisch , läuft
tendenziell auf ein Verschwinden dieser Klasse
hinaus, sei es durch Integration in die
Arbeiterklasse, sei es durch die Formierung einer
neuen sozialen Gruppe: der
Genossenschaftsbauernschaft.“ Die MPLA hatte ihre
Hauptstütze bei städtischen Industriearbeitern.
Landarbeiter wurden erst 1979 in die Partei
aufgenommen. Durch diese Abwendung von der
chinesischen Revolution sah Peking in der MPLA
keinen sozialistischen Bruder mehr, sondern ein
Hindernis für die Etablierung des chinesischen
Kommunismus.
Innerhalb der lokalen Genossenschaften bildeten
sich Machtverhältnisse heraus, die sich nicht
bewährten. Wer lesen und rechnen konnte, wurde
zum Vorsitz ernannt. Es mangelte der Gruppe an
Erfahrung in derartigen Organisationen, an
Qualifikation der Mitglieder und an
Gruppendynamik. Sobald Probleme in den
Genossenschaften auftraten, brach die Gruppe
auseinander. Die Arbeiter waren in ihrem Tun
demotiviert. Dies äußerte sich in individueller
Widerstandsstrategie und in Form von mangelnder
Arbeitsdisziplin. Ein schwieriges Problem stellte
das Zerstören des Eindruckes dar, dass nach der
Unabhängigkeit weniger gearbeitet werden müsse.
Auch heute noch herrscht unter den Angolanern
eine weitbverbreitete Arbeitswut, die durch
Versorgungsengpässe verstärkt wird. Das Überleben
der Landarbeiter ist stark gefährdet, da die
Waren meist nicht auf das Land kommen, wodurch
ihr Lohn wertlos wird. „Ohne zu essen kann man
nicht arbeiten.“ Die Bauern, die auch der Krieg
gegen Südafrika schwer getroffen hat, zogen sich
wieder auf ihr Land zurück um von
Subsitenzproduktion zu leben. Sie vertrauten dem
Staat nicht mehr, da sich auch nach der
Unabhängigkeit die Lebensumstände nicht
besserten.
Die Partei sah sich daher 1983 gezwungen ihren
Landwirtschaftskurs zu ändern und versuchten die
Familienfarmen verstärkt zu unterstützen.
Aufgrund der Kriegssituation trug der Wandel
jedoch kaum Früchte. „Wir werden eine kohärente
Politik der Landwirtschaft nur dann umsetzen
können, wenn wir den Frieden wierder erlangt
haben.“
4.7.
Beziehung zu Moskau
Moskau unterschied die sozialistisch orientierten
Länder Afrikas in zwei Gruppen. Die erste Gruppe
stellten Länder wie Tansania und Algerien dar,
dessen Regierung sich an dem sowjetischen Vorbild
anlehnten, aber im Grunde aufgrund bürgerlicher
Ideologie handeln. Die zweite und höhere Gruppe
stellten die revolutionären
Arbeiterparteien-Regierungen dar, wie sie Angola
hatte. Diese Länder waren an einer engeren
internationalen Beziehung zu den Ostblockstaaten
interessiert. Sowjetische Analytiker bezeichnen
aber selbst diese nach ihrer Meinung höheren
afrikanischen Staaten lediglich als Anlehnung an
den Kommunismus: „They categorize even the most
pro-soviet African governments as „of socialist
orientation“ rather than genuinely „socialist““
In Angola sahen sowjetische Politiker dennoch
eine gute Möglichkeit die Weltmacht der
Sowjetunion zu sichern. „Soviet spokesmen openly
expressed optimism that assisting the MPLA would
spread „the idea of socialism and revolutionary
anticolonialist ideology““
Angolas Befreiungskampf unterstützte die
Sowjetunion mit Hilfe im Wert von $ 60 Mio. Seit
1974 gingen die Unterstützungen zurück. „(T)he
soviet presence is limited and has been kept
clear of any direct confrontation with South
Africa forces.“Verstärkte Hilfe traf in Luanda
ein als die Situation im Krieg zu eskalieren
drohte. Dabei ergänzten sich die Unterstützungen,
meist in Form von Waffen, Moskaus gut mit den
Truppeneinsendungen Kubas.
Die MPLA war von den sowjetischen Militärgütern
abhängig um im Krieg gegen die UNITA und FNLA
erfolgreich zu agieren. Doch für die Waffen und
auch für die kubanischen Truppen musste Angola in
harter Währung bezahlen. Schon in dieser Hinsicht
war Angola für die Sowjetunion reizvoller als das
zahlungsunfähige Mosambik. Mit dem Niedergang des
Sozialismus 1984 in Mosambik versuchte Moskau
auch unter der Regierung von Gorbatschow seine
Position im südlichen Afrika zu retten. Da in
Angola aufgrund seiner vielfältigen
wirtschaftlichen Möglichkeiten weit mehr auf dem
Spiel stand, intensivierte die Sowjetunion seine
Militäreinsätze gegen die UNITA. Die Sowjetunion
stellte in Angola jedoch nie eine entscheidende
Macht dar, in dem Sinne, dass sie über Angolaner
herrscht. Die Russen legten z.B. der späteren
„Westöffnung“ Angolas keine Hindernisse in den
Weg und auch die marxistischsten Funktionäre
Angolas blockierten nicht die westliche
Wirtschaftsentwicklung im Bankwesen, der
Ölraffinerie und anderen Produktionseinheiten.
Wirtschaftliche Beziehungen zu der Sowjetunion
waren eher schwach ausgebildet. Zwar
unterstützten die Ostblockstaaten einzelne
Projekte wie die Errichtung von
Wasserkraftwerken, jedoch waren die
Haupthandelspartner in der westlichen Welt
anzufinden. 1982 machten die sozialisitischen
Staaten gerade einmal 7% des Imports und 2% des
Exports aus.
4.8. Auslandsbeziehungen
*2
Die Volksrepublik Angola, die bereits im Krieg
geboren wurde, diente „als sozialistisch
orientiertes Land...die ganzen Jahre über
...einer intensiven militärischen
Destabilisierungskampagne“. Der Krieg gegen
Südafrika, den die UNITA im Kampf gegen die MPLA
unterstützte, hemmte den Wiederaufbau und die
Entwicklung des Landes. Eine zentrale Rolle
spielte dabei die USA, spätestens wieder seit der
Reagan-Regierung: „Gut, offen gesagt würde ich
die UNITA mit Waffen versorgen...Ich sehe an
jemanden nichts falsches, der sich von der
Herrschaft einer ausländischen Macht welche die
Kubaner und Ostdeutschen sind, befreien will.“
Kein amerikanischer Präsident war auf so harten
Konfrontationskurs gegenüber sozialistischer
Staaten festgelegt: Reagan am 17.Mai1981: „Die
westliche Welt wird den Kommunismus nicht
eindämmen, sie wird ihn überleben. Wir werden uns
nicht damit abgeben, ihn anzuprangern, wir werden
uns seiner entledigen...“ Um dieses Ziel in
Angola zu verwirklichen, scheute die USA nicht
terroritische Aktivitäten der UNITA
herunterzuspielen um den Kampf gegen die MPLA
rechtfertigen zu können. „Althrough the Western
media has not labeled the hostage-gathering as
„terrorism“, the term seems unavoidable when
reporting UNITA ferocity in urban centers.“
Anlehnung fand die UNITA auch in China. Zumindest
den Kampfgeist und die antisowjietische Haltung
wurden adoptiert. „The march of their chinese
mentors that the march to power may be long and
tortuos remains a guiding principle for the
UNITA.“
Die Seperatistenorganisation FLEC, die das
wirtschaftlich interessante Cabinda von Angola
abspalten wollte, genoss enge Verbindungen zur
CIA; ebenso die militärische Organisation COMIRA,
die auf Betreiben der CIA aus der Konkursmasse
der FNLA im August 1980 hervorging und sich im
Nord-Osten des Landes einnistete. Unter diesen
Banden befanden sich Militärberater aus Israel,
der USA, Belgien und erfahrene Söldner aus
Westeuropa. Die USA war auf „ständig harten
Konfrontationskurs festgelegt..Diese Linie war
von der Perspektive des West-Ost-Konfiltes und
des Kalten Krieges bestimmt.“
Die Behauptung, die von westlichen Ländern laut
wurde, dass die Umgestaltungen in afrikanischen
Staaten lediglich aufgrund von Expansionstreben
der Sowjetunion stattfand, wirkt jedoch grotesk.
Es war Angolas freie Entscheidung nach
jahrelanger kolonialer Knechtschaft, sich zum
Marxismus-Leninismus zu bekennen. Die
imperialistischen Mächte versuchten jedoch
militärisch die verlorengegangene Position in
Afrika zurückzuerobern um das „Rad der Geschichte
zurückzudrehen.“ Der Vorsitzende des
Afrikanischen Nationalkongresses Südafrikas
Oliver Tambo erklärte im März 1982: „ Seit den
Zeiten des deutschen Faschismus hat es wohl keine
Regierung der Westmächte gewagt, so offen und
schamlos der Rassismus zu unterstützen wie die
Reagan Administration...(Die) USA .. hat sich den
Sturz der fortschrittlichen Regierungen im Süden
Afrikas und deren Ablösung durch seine
Marionetten zum Ziel gemacht. ...“
Als das Land wirtschaftlich und kriegerisch am
Boden war und sich aus den immensen
Auslandsschulden nicht mehr herauswinden konnte,
beantragte Angola 1987 den Beitritt in die
Weltbank un die IWF. Durch den Beitritt musste
die sozialistische Orientierung der
kapitalistischen Ideologie Platz machen.
Politische Reformen berücksichtigten das neue
Potential in den privaten Organisationen. „Ziel
der westlichen Länder ist es diese Spielräume
noch zu vergrößern und kapitalistisch orientierte
Kräfte in Angola fester zu etablieren.“
1991 beschloss die MPLA ihre Abkehr vom
sozialistischen Einparteienstaat und die
Hinwendung zur kapitalistischen Marktwirtschaft.
Die demokratischen Wahlen bestätigten die
Regierung der MPLA. Daraufhin nahm die UNITA
erneut den Bürgerkrieg auf und weigerte sich die
ihnen zugewießenen Posten zu besetzen. Seit 1992
musste die UNITA jedoch auf internationale
Unterstützung verzichten, da die USA die MPLA als
rechtmäßige Regierung anerkannte. Im November
1994 konnte in Lusaka ein Friedensprotokoll
zwischen den Rivalen unterzeichnet werden. 1998
zerstörte der erneute Ausbruchs des Bürgerkriegs
jedoch jede Hoffnung auf Frieden.
4.9. Zusammenfassung
Der Befreiungskampf der von drei
Hauptorganisationen durchgeführt wurde, endete in
einem jahrelang andauernden Bürgerkrieg, zwischen
den Organisationen, die ausländische Ideologien
adoptierten. Die sozialistische MPLA konnte sich
gegen die beiden von der westlichen Welt
unterstützten Parteien durchsetzen und die
Volksrepublik Angola ausrufen. Die neue Regierung
wurde jedoch nicht von den gegnerischen Parteien
und deren Unterstützern akzeptiert, so dass ein
offener Krieg zwischen Regierung und Opposition
ausbrach. Die MPLA versuchte mit einer Straffung
der Politik den Sozialismus nach russischen
Vorbild aufzubauen. Aufgrund der andauernden
Kriegssituation und der kolonialen
Unterentwicklung musste die Wirtschaftpolitik,
die sehr den russischen Modellen ähnelte, jedoch
scheitern. Besonders Südafrika und die USA
unterstützten massiv den Kampf gegen die
sowjetisch orientierte Regierung. China entschied
sich in seiner antikaptitalischen
und
antisowjetichen Ideologie gegen die
sozialistischen Kräfte in Angola. Nachdem der
Wiederaufbau des Landes unmöglich erschien,
lockerte die MPLA ihre sozialistischen Ansichten
und vollzog eine Westöffnung, jedoch nicht indem
sie komplett vom Sozialismus abschwor.
5. Problematik bei der Bearbeitung des Themas
Die unterschiedliche Betrachtungsweise Autoren
und Autorinnen stellte sich bei der Bearbeitung
der Thematik als problematisch heraus. Während
westliche Publikationen meist versuchen das
Handeln der USA u.a. zu rechtfertigen und die
Zustände im sozialistschen Afrika als Tyrannei
brandmarken, feiern die Literaturen aus
Ostblockstaaten und aus Angola den Sozialismus
als großartige Erungenschaft. Besonders die
früheren Publikation liefern daher zwiespältige
Eindrücke über die Sitatution in den beiden
Staaten. Westliche Literatur erwähnen teilweise
terroristische Aktivitäten der Renamo oder UNITA
nicht, und sozialistische Literatur spielt z.B.
die fehlerhaften Methoden der Frelimo herunter.
Ich habe versucht mich auf objektive Literatur zu
konzentrieren, wie ich sie in z.B. in Beckers
Lektüre sehe und parteiergreifende Bücher
kritischer zu betrachten.
6. Schlußbemerkung
„Nichts in unserer Geschichte ist uns je ohne
Schmerz zugekommen.“
Angola und Mosambik stellen zwei negative
Beispiele dar, in wie weit das Dominanzgefühl der
modernen Welt die Hoffnungen afrikanischer Länder
ausrotten kann. Nach jahrhundertelanger
Knechtschaft unter den Portugiesen konnten sich
beide Länder ihre Unabhängigkeit erkämpfen. Doch
die Souveränität äußerte sich nur in weiterem
Leid. Statt den Frieden zu unterstützen und
Angola und Mosambik in eine hoffnungsvolle
Zukunft zu helfen, schürten die Weltmächte einen
Bürgerkrieg in Angola und Terrorismus in
Mosambik. Für das Streben nach Macht musste die
afrikanische Bevölkerung auch nach Beendigung der
Kolonialzeit bluten. Die Ostblockstaaten boten
Mosambik Hoffnung auf einen neuen, unerforschten
Weg und wirkten auch als Vorbild für einen
Großteil angolanischer Bevölkerung. Die
westlichen Weltmächte wollten dies nicht
tolerieren, sondern schürten feindliche
Stimmungen in beiden Staaten um die
verlorengegangene Position wieder
zurückzuerobern. Nur nach außen durften die
beiden Staaten als unabhängig gelten. Aber im
Grunde genommen, mussten Angola und Mosambik auch
nach Erreichung der Unabhängigkeit als
Marionetten der opposotionellen Weltmächte
fungieren. Ein afrikanischer Weg wird ihnen seit
Jahrhunderten verwährt.
Besonders Angola, das eines der reichsten
Ressourcen Afrikas besitzt, hätte eine
aussichtsreiche Zukunft vor Augen gehabt. Und
auch Mosmabik könnte eine intakte Wirtschaft,
aufgrund seiner Mineralien, Gas und
Kohlevorkommen aufbauen, wenn der Wettstreit der
modernen Welt nicht auf seinem Rücken hätte
ausgetragen werden müssen. Die sogenannten
Regionalkonflikte in Angola und Mosambik schienen
erst mit Beendigung des Kalten Krieges und einer
russisch-amerikanischen Verständigung beendbar zu
werden.
Bei den Kriegen spielte nicht nur der Ost-West
Konflikt eine Rolle, sondern auch das
russisch-chinesische Konkurrenzverhalten.
Besonders deutlich wurde dies in dem
angolanischen Bürgerkrieg. Die russisch
orientierte MPLA musste sich gegen die westliche
und chinesische Unterstützung der beiden anderen
Partei zur Wehr setzen.
Angola und Mosambik, wurden nach
jahrhundertelanger Ausbeutungspolitik unter den
Portugiesen, keine Chance auf eigenständige
Entwicklung gegeben. Die Anlehnung an das
russische Vorbild endete in einer gezielten
Destablisierungskampagne der westlichen Welt.
Dieser ausgeübter Druck zwang die beiden Staaten
letzendlich auf die Knie. Um wieder aufstehen zu
können, sind die beiden Staaten nun von den
westlichen Unterstützungen abhängig.
Wie lange es dauern wird, bis die Wunden des
Wettstreites um Macht verheilt sind, ist noch
nicht absehbar. Auf jeden Fall bleiben für immer
tiefe Narben, die an die Kämpfe der Weltmächte,
ausgetragen auf den zerbrechlichen Rücken
afrikanischer Bevölkerung,
erinnern.
Abkürzungen
BRD Bundesrepublik Deutschland
CDU Christlich Demorkatische Union
CSU Christlich Soziale Union
CIA Central Intelligence Agency
COMIRA (Militärkomitee für den angolanischen
Widerstand)
DDR Deutsche Demokratische Republik
FLEC (Separatistengruppe die Cabinda von Angola
abspalten will)
FNLA Frente Nacional de Libertacao de Angola
Nationale Front für die Befreiung Angolas
Frelimo Frente de Libertacao de Mocambique
GB Großbritanien
IWF Internationaler Währungsfonds
KMT Kuomintang
KPCh Komunistische Parte Chinas
KPdSU Komunistische Partei der Sowjetunion
MPLA Movimento Popular de Libertacao de Angola
Volksbewegung für die Befreiung Angolas
OJM Organizacao da Juventude Mocambicana
OMM Organizacao da Mulher Mocambicana
OTM Organizacao dos Trabalhadores Mocambicanos
Renamo Resitencia Nacional Mocambicana (auch
unter RNM & MNR bekannt)
RGW Rat für Gegenseitzige Wirtschaftshilfe
SU Sowjetunion
UdSSR Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
(bis 1991)
UNITA Uniao Nacional para a Indepedencia Total de
Angola
Nationale Union für die vollständige
Unabhängigkeit Angolas
UPA Uniao das Populacoes de Angola
UPNA Uniao das Populacoes do Norte de Angola
USA United States of America
Grafiken
*1
christliche Postkarte, die in die südafrikanische
Botschaft geschickt werden sollte
aus Hanlon, Joseph 1991 S. 71
*2
Ronald Reagan
aus Charisius; Lambrecht; Dortst 1983
S.266
1
basierend auf „Informationen zur politischen
Bildung 1984 (178); 1990 (212) & Wochenschau
Nov/Dez. 1989 Nr.6
2
basierend auf Mehnert 1962
3
Mehnert 1962 S.186
4
Ebd. S.188
5
Ebd.
6
Mehnert 1962 S.495
7
Vgl. Kindersley 1998
8
Vgl. Becker 1988
9
Ebd.
10
Vgl. Hanlon 1991
11
Vgl Becker 1988
12
Becker 1988 S.177
13
Vgl Becker 1988
14
Ebd
15
Vgl Anderson 1992
16
aus Dokumenten des 3. Kongreßes in Becker 1988 S.
180
17
Vgl Becker 1988
18
Ebd.
19
Becker 1988 S.187f.
20
Anderson 1992 S.27
21
Vgl Becker 1988
22
Ebd.
23
Ebd.
24
Vgl. Anderson 1992
25
Vgl Anderson 1992
26
in Becker 1988 S.196
27
Ebd S.198
28
Anderson 1992 S.33
29
Anderson 1992 S.34
30
Becker 1988 S.207
31
Kühne in Kitchen 1987 S.111
32
Vgl. Anderson 1992
33
Vgl Becker 1988
34
Maponta, Abgeordneter in Becker 1988 S.211
35
Vgl Anderson 1992
36
Becker 1988 S.214
37
Hillary Anderson 1992 S.21
38
Anderson S.36
39
Vgl Becker 1988
40
Ebd.S.218
41
Ebd. 1988
42
Front line Africa S.61
43
Mrs. Thatcher bei ihrem Mosambik-Aufenthalt in
Smith 1990 S. 149
44
Vgl Becker 1988
45
Ebd. S.238
46
Gunn in Kitchen 1987 S. 121
47
Machel in Anderson 1992 S.44
48
Ebd. S.45
49
Vgl Becker 1988
50
Kühne in Kitchen 1987
51
in Kitchen 1987 S.110
52
Vgl. KÜhne in Kitchen. 1987
53
Becker 1988 S.239
54
Vgl Becker 1988
55
Ebd.
56
Kühne in Kitchen 1987
57
Sepeler 1983, in Kitchen 1987 S.106
58
Vgl Kitchen 1987
59
Präsident Chissano in Kitchen 1987 S.122
60
Kühne in Kitchen 1987
61
Kühne in Kitchen 1987 S.113ff.
62
Kühne in Kitchen 1987
63
Vgl Becker 1988
64
Ebd S.252
65
Ebd S.250
66
namentlich im Manifest von 1957 und im Programm
der Organisation 1962 - in Kress/Petzold 1985
67
Kress/Petzold 1985 S.27
68
Vgl. Becker 1988
69
Vgl Kress Petzold 1985
70
Marcum 1983 in Kitchen S.8
71
Ebd. S.15
72
John Stockwell CIA, Leiter der Einsatzgruppe
Angola; Charisius/Lambrecht/Dorst 1983 S.178
73
Smith 1990 S.39
74
Marcum 1984 in Kitch S.17
75
Vgl Kress Petzold 1985
76
Charisius/Lambrecht/Dorst 1983 S.178
77
Vgl. Becker 1988
78
Vgl Front line Africa S.35
79
Becker S.88
80
Vgl Becker 1988
81
in Wolfers/Bergeral s.165
82
Kress Petzold 1985 S.30
83
Vgl. Becker 1988 und Wolfers/Bergeral 1983
84
Wolfers / Bergeral S.165
85
Präsident Neto in Wolfers/Bergeral 1983 S.131
86
Vgl Becker 1988
87
Vgl. Wolfers/Bergeral 1983
88
Wolfers/&bergeral 1983 S.45
89
Vgl Becker 1988
90
Vgl. Wolfers/ Bergeral 1983
91
Vgl. Kress/Petzold 1985
92
Luiz Pazarro (Abteilungsleiter für pol.
Erziehung) in Kress / Petzold 1985 S.41
93
Relatório do Comité Central ao
1°Congresse...a.a.O.S.17 in Kress/Petzold 1985
S.42
94
Vgl. Kress / Petzold 1985
95
Vgl. Becker 1988
96
Vgl Kress/Petzold
97
Vgl Wolfers/Bergeral 1983
98
Becker S.95
99
Vgl Kress/ Petzold 1985
100
Becker S.113
101
Ebd.
102
Vgl. Marcum 1984 in Kitchen.
103
Vgl. Wolfers/Bergeral 1983
104
Becker S.116
105
Ebd.
106
Zentralkomitee der MPLA von 1980 in Becker S.197
107
Vgl. Becker
108
Vgl Kress/Petzold
109
Angolaner in Becker S.125
110
J. Russo in Becker S.130
111
Vgl Marcum 1984 in Kitchen
112
in Kitchen S.105
113
Marcum 1984 in Kitchen S.19
114
Marcum 1984 in Kitchen S.31
115
Vgl. Gunn in Kitchen
116
Becker S.140
117
R.Reagan in seinem Wahlkampf in Becker S.146
118
Charisius/Lambrecht/Dorst 1983 S.228
119
Marcum 1984 in Kitchen S.27f.
120
Marcum 1983 inKitchen S.16
121
Vgl Morcum 1984 in Kitchen
122
Vgl. Charisius/Lambrecht/Dorst 1983 S.231
123
Becker S.166
124
Kress/Petzold 1985 S.40
125
Charisius/Lambrecht/Dorst 1983 S.231
126
Becker S.135
127
Information seit 1990 aus Kindersley 1998
128
ein angolansciher Befreiungsveteran in Becker
1988 S. 75
129
Vgl. African Watch report
Literatur
Anderson,
Hillary
„Mozambique- a war against the people“
Mac Millan Press Ltd London
1992
Becker, Joachim
„Angola, Mosambik und Zimbabwe im Visier
Südafrikas“
Pahl Rugenstein Köln
1988
Charisius, Albrecht; Lambrecht, Rainer; Dorst,
Klaus
„Weltgendarm USA - Der militärische
Interventionismus der USA seit der
Jahrhundertwende“
MV Berlin
1983
Chingono, Mark F
„The state, violence and development“
Avebury Aldershot
1996
Hanlon, Joseph
„Mozambique - Who calls the shots?“
Indiana University Press Bloomington
1991
Heinzig, Dieter
„Moskau und Peking: Abbau der
sicherheitspolitichen Barrieren“
Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und
internationale Studien Köln
1989
Heinzig, Dieter
„Der neue ideologische Konflikt zwischen Peking
und Moskau“
Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und
internationale Studien Köln
1990
Human Rights Watch
„Conspicious Destruction: War Famine and the
Reform Process in Mozambique“
Human Rights Watch New York
1992
Kitchen, Helen, editor
„Angola, Mozambique, and the West“
Praeger Publishers New York
1987
Kress, Albin; Petzold, Siegfried
„Volksrepublik Angola - Aufbruch in eine neue
Zeit“
Staatsverlag der DDR Berlin
1985
Members of the Liberation Front
„Revolution in Angola“
Merlin Press London
1972
Mehnert, Klaus
„Peking und Moskau“
Deutsche Verlagsanstalt Stuttgard
1962
Révész, Lászlo (Übersetzer)
„Die Verfassung von Angola und Mosambik“
übersetzte Broschüren:
1) „Verfassung der Republik Mosambik“ Verlag
Rechtsliteratur Moskau 1977
2) „Verfassung der Republik Angola“ Verlag
Rechtsliteratur Moskau 1977
Smith, Susanna
„Front Line Africa - The Right to a Future“
Oxfam Oxford
1990
Wolfers, Michel ; Bergeral Jane
„Angola in the frontline“
Pitman Press Bath UK
1983
Zeitschriften
Informationen
zur politischen Bildung
1984 (178);
1990 (212)
Wochenschau Nov/Dez.
1989 Nr.6
Software
Kindersley,
Dorling
„Großer 3-D- Weltatlas 2000“
United
Soft Media 1998
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