Neue Kategorie: Get to know your cinematographer

In dieser neu eingerichteten Kategorie werde ich ein bisschen mehr darüber berichten, was mich so bewegt. Ausserdem werde ich in naher Zukunft ein wenig über meine Kollegen schreiben, die dieses Jahr für meine Brautpaare gedreht haben (Wolfgang, Markus, Stefan und Pat - versucht gar nicht erst mich davon abzuhalten!!!). Wozu das auf einer geschäftlichen Seite? Vor kurzem hat mir eine Braut eine zutiefst persönliche Geschichte über ihren familiären Background erzählt. Und es wurde mir dabei mal wieder klar, dass je persönlicher die Beziehung zwischen Kameramann (/Fotograf / Cutter) und Brautpaar ist, desto besser werden die Produkte. Wenn mein bester Freund mich zu einem Hochzeitsfilm beauftragen würde, dann würde ich sicher an der einen oder anderen Szene länger als üblich schneiden, mehr überlegen und neue Sachen basteln. Schliesslich ist es ja mein bester Freund. Ein stückweit passiert das genauso, wenn ich mit meinen Brautpaaren befreundet bin. Natürlich ist das völlig unprofessionell es hier öffentlich zuzugeben, aber es ist so! Meine Brautpaare lassen mich oft an sehr intimen Momenten teilhaben. Ich stehe während des Ja-Wortes 1000 mal näher als ihre Eltern. Ich erfahre Details in Interviews die engste Freunde nicht wussten. Und was mache ich im Gegenzug? Ich nehme ein Haufen Geld dafür und verstecke mich die ganze Zeit hinter einer Kamera. Jetzt wird's Zeit etwas zurückzugeben und auch mal etwas über mich preiszugeben...






Die Dokumentation religiöser Zeremonien und meine Gedanken dazu

Ein befreundeter Kollege hat bei einem gemeinsamen Dreh das "Vater unser" mitgesprochen. Ich mache das nie. Als ich ihn das Gebet mit sprechen gesehen habe, fühlte ich mich fast ein bisschen schlecht. Ich bin gläubiger Christ. Ich weiss, dass ich meinen Traumjob nur ausüben kann, weil Gott mir dies Tag für Tag ermöglicht. Manchmal fragen mich Kollegen wie ich dieses oder jene umgesetzt habe. Oder wie ich an so schöne (oder teure) Aufträge komme. Ein paar Vereinzelten habe ich es bereits persönlich "verraten". Geglaubt hat es bisher aber niemand so ganz: ich bete einfach dafür. Dafür dass die Filme gut werden mögen und für die Aufträge selbst. Wenn eine Anfrage hereinkommt, die cool klingt dann bete ich sie zu kriegen. Schliesslich sind meine Aufträge ja mein täglich Brot. Und die besonders interessanten sind mein täglich Brot mit Marmelade drauf.

Ein kurzes Beispiel: 2008 sah es zu Beginn des Jahres für einige Zeit nicht so aus, als seien die diesjährigen Mindesteinnahmen abgedeckt. Als ich dies wissend aufgewacht bin, schilderte ich kurz und knapp im Gebet meine Situation und bat Gott um Hilfe. Darauf hin machte ich mir einen Kaffee und ging wie jeden Morgen zu meinem Schnittplatz. Dort wartete eine Mail auf mich, mit welcher ein Brautpaar mich buchte. Dies war eine der teuersten und schönsten Produktionen in meiner bisherigen Laufbahn. Dieses Paar hatte sich monatelang nicht gemeldet nach Angebotslegung. Zufall das die Buchung gerade an diesem Morgen kam?

Ein anderes Beispiel: Nichts ist für einen Hochzeitsfilmer ein größerer Albtraum, als nicht pünktlich zur Trauung zu erscheinen. Ich kenne Kollegen die kalkulieren supercool und verwirklichen immer eine Punktlandung. Andere fahren prinzipiell einen Tag vorher zum Drehort. Ich siedele mich irgendwo in der Mitte an, mit leichter Tendenz Richtung Punktlandung. Zu spät gekommen bin ich - Gott sei dank ;-) - noch nie. Aber einmal war es echt knapp. Grund war - wie er es ist immer ist - ein Stau. Ich stand fest, nix ging vorwärts und mein Navi zeigte irgendwas von 20 min Verzögerung an. Ich begann zu schwitzen, überlegte welcher meiner Kollegen hinter dem endlos scheinenden Stau wohnte, suchte hypernervös in meinem Handy. Doch dann besann ich mich und fing an ein Stoßgebet zu sprechen. Ob ihr es glaubt oder nicht: ich war noch nicht zu Ende mit dem Gebet und vor meinen Augen löste sich der Stau in Luft auf. Ich kam 10 min vor der Trauung an und drehte einen meiner besten Filme überhaupt. Auch Zufall?

Derlei könnt ich zig stories erzählen, aber ich komme lieber auf die Drehsituation bei kirchlichen Hochzeiten zurück. Ihr werdet mich wohl auch in Zukunft nicht erwischen, dass meine Lippen das Vater Unser mitsprechen, während ich mich hinter der Kamera verstecke. Aber im Stillen bete ich fast immer zu irgendeinem Zeitpunkt der Zeremonie für meine Brautpaare mit. Sehen wird das keiner, aber darauf kommt es ja auch nicht an.

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